Routine schlägt Favoriten – TC Sterkrade ist Deutscher Kin-Ball Meister 2026
Sehnde. Das Finale der Kin-Ball-Bundesliga 2026 im hochmodernen Sportzentrum Sehnde (Niedersachsen) bot alles, was ein großes Endspiel ausmacht: Drei ambitionierte Teams, eine professionelle Live-Übertragung und am Ende einen Meister, den vor dem Turnier kaum jemand auf der Rechnung hatte.
Der TC Sterkrade 1869 aus Oberhausen sicherte sich mit einer souveränen Vorstellung den vierten Deutschen Meistertitel der Vereinsgeschichte.
Als Hauptrundensieger ging die TSG Dissen als einer der Topfavoriten ins Finale. Ebenfalls hoch gehandelt wurden die Erfurter Lachse, die als amtierender Deutscher Meister nach Sehnde gereist waren. Viele vermeintliche Experten sahen eines dieser beiden Teams am Ende ganz oben auf dem Treppchen. In einer Umfrage vor dem Finaltag trauten sogar die wenigsten dem TC Sterkrade den Titelgewinn zu. Dies war letztendlich eine Fehleinschätzung, wie sich am 11. Juli eindrucksvoll zeigen sollte.
Das Endspiel wurde erstmals in diesem Rahmen professionell von der „Broadcast Factory“ mit mehreren Kameras live gestreamt. Für die fachkundige und unterhaltsame Kommentierung sorgten Gernot Köcher und Magnus Florian, die das Finale für die Zuschauer zu Hause begleiteten.
Anders als in der regulären Bundesliga wurde das Finale nicht über eine festgelegte Anzahl von vier Spielperioden ausgetragen. Stattdessen galt erstmals der Modus „auf vier Gewinnsätze“. Das bedeutet: Eine Mannschaft musste vier Spielperioden für sich entscheiden, um Deutscher Meister zu werden. Die Gesamtzahl der gespielten Sätze war somit nicht vorgegeben. Ein Finale konnte bereits nach vier Spielperioden enden, sich aber ebenso über deutlich mehr Sätze erstrecken.
Die erste Spielperiode gehörte klar den Erfurter Lachsen. Der Titelverteidiger präsentierte sich zunächst in bestechender Form: starke Offensivaktionen, nahezu fehlerfreies Spiel und die gewohnte Spielfreude sorgten für einen verdienten Satzgewinn. Währenddessen wirkten sowohl der TSG Dissen als auch der TC Sterkrade noch nicht richtig im Finale angekommen.
Mit Beginn der zweiten Spielperiode änderte sich das Bild jedoch grundlegend. Vor allem der TC69 steigerte sich deutlich. Die Oberhausener spielten unspektakulär, aber nahezu fehlerlos. Statt spektakulärer Angriffe setzten sie auf einfache, wirkungsvolle Aktionen und zwangen ihre Gegner immer wieder zu Fehlern. Der verdiente Lohn war ein 1:1:0.
Von diesem Moment an kontrollierte der Rekordmeister das Finale. Auch der dritte und vierte Satz gingen an Sterkrade. Während die Oberhausener konsequent ihren Matchplan verfolgten, fand die junge Mannschaft der TSG Dissen nie zu ihrem gewohnt hohen Spieltempo. Viele Angriffe wirkten zu berechenbar, sodass die Defensive der Sterkrader kaum vor größere Probleme gestellt wurde. 
Noch deutlicher fiel der Leistungsabfall beim Titelverteidiger aus Erfurt auf. Die Lachse, eigentlich bekannt für kreative Spielzüge und variable Offensivaktionen, konnten ihre Stärken kaum auf das Spielfeld bringen. Stattdessen häuften sich Kontaktfehler, zahlreiche Bälle landeten im Aus und immer wieder waren Abstimmungsprobleme innerhalb der Mannschaft zu erkennen. Das sonst so flüssige Kombinationsspiel kam praktisch nie zur Entfaltung.
Auch in der fünften Spielperiode bot sich dasselbe Bild. Sowohl Erfurt als auch Dissen waren inzwischen mehr mit den eigenen Fehlern beschäftigt als mit dem eigentlichen Spiel. Hängende Köpfe und sichtbare Niedergeschlagenheit prägten die Schlussphase des Endspiels.
Symptomatisch für den gesamten Finalverlauf war schließlich auch der letzte Punkt der Begegnung: Der TC Sterkrade musste ihn nicht selbst spektakulär herausspielen, sondern profitierte von einem weiteren Fehler der Konkurrenz.
Mit einem überzeugenden 4:1:0 sicherte sich der TC Sterkrade verdient die Deutsche Meisterschaft 2026. Die Oberhausener bewiesen eindrucksvoll, dass Titel nicht immer durch spektakuläre Aktionen gewonnen werden. Entscheidend waren Erfahrung, Disziplin und eine außergewöhnlich geringe Fehlerquote. „Wir haben im Finale alles genau so umgesetzt wie wir es uns vorgenommen haben. Auch nach dem ersten Satz haben wir die Ruhe bewahrt und routiniert weitergespielt“, resümierte TC69-Spieler Dustin Urban, der damit als einziger Spieler der Liga überhaupt auf vier errungene Meisterschaften zurückblicken kann.
Die Erfurter Lachse beenden die Saison als Vizemeister. Für die TSG Dissen bleibt nach einer überragenden Hauptrunde der dritte Platz. Diese Platzierung ist sicherlich weniger, als sich das junge Team nach seiner starken Saison erhofft hatte.
Am Ende setzte sich nicht das athletischste oder taktisch vielfältigste Team durch, sondern die Mannschaft, die ihre Leistung im entscheidenden Moment am konstantesten auf das Spielfeld brachte.
Das Bundesliga-Finale in Sehnde war eine rundum gelungene Premiere. Die moderne Spielstätte, die professionelle Live-Produktion und die sportlich hochklassige Atmosphäre machten deutlich, welches Potenzial im deutschen Kin-Ball steckt.
Im kommenden Jahr werden die Liga und das Endspiel in einem neuen Format ausgetragen. Nach einer Ligareform startet die Saison zunächst in einer Unterteilung in Bundesliga Nord und einer Bundesliga Süd. Die besten Mannschaften beider Staffeln qualifizieren sich anschließend für die gemeinsame Hauptrunde, aus der schließlich erneut die Finalteilnehmer hervorgehen.
Bevor jedoch die nächste Bundesligasaison beginnt, wartet bereits das nächste große Highlight: Im August startet die Kin-Ball-Europameisterschaft in Erfurt. Vor heimischem Publikum trifft die europäische Spitze aufeinander, was beste Voraussetzungen für das nächste große Kin-Ball-Fest bietet.
Fotos: Jannis Holleny
